MEMOR Digitales Gedenkbuch – Logo

Das Digitale Gedenkbuch der Stadt Graz

MEMOR ist ein digitales Denkmal, das sich der Dokumentation und Visualisierung der Grazer NS-Opfer widmet.

Datenmodell

In MEMOR Graz sind Opfer des Nationalsozialismus verzeichnet, die zum Zeitpunkt der NS-Machtübernahme im Jahr 1938 im Grazer Stadtgebiet ihren Lebensmittelpunkt hatten

MEMOR als Digitale Edition


MEMOR – Das Digitale Gedenkbuch der Stadt Graz kann als sogenannte Digitale Edition verstanden werden, da historische Quellen wie Biografien und Forschungsdaten systematisch gesammelt, wissenschaftlich erschlossen, digital aufbereitet und (auf mehreren Wegen) öffentlich zugänglich gemacht werden. Die Plattform verbindet einzelne Dokumente, Bilder, Karten und Metadaten zu einer vernetzten Forschungs- und Erinnerungsumgebung. Dabei werden nicht nur Informationen archiviert, sondern historische Zusammenhänge sichtbar und digital erforschbar gemacht.

Zugleich orientiert sich das Projekt an den FAIR-Prinzipien – also daran, Daten auffindbar (Findable), zugänglich (Accessible), interoperabel (Interoperable) und nachnutzbar (Reusable) zu machen. Die Daten werden strukturiert modelliert, mit Metadaten versehen und in standardisierten Formaten bereitgestellt. Dadurch können die Inhalte langfristig erhalten, wissenschaftlich weiterverwendet und mit anderen digitalen Sammlungen oder Forschungsprojekten verknüpft werden.

Historische Kategorien

In MEMOR Graz sind Opfer des Nationalsozialismus verzeichnet, die zum Zeitpunkt der NS-Machtübernahme im Jahr 1938 im Grazer Stadtgebiet ihren Lebensmittelpunkt hatten. Sie werden in MEMOR Graz an ihren letzten freiwilligen Wohnadresse erfasst und biographisch vorgestellt. Weiters werden sie entsprechend der Gründe ihrer Verfolgung in Gruppen unterteilt. Auf Grund der Tatsache, dass Menschen teils mehrfach vom nationalsozialistischen Terror betroffen waren, werden manche NS-Opfer mehreren Kategorien zugeordnet.


Widerstand

Es handelt sich um Personen, die aus nachfolgenden Gründen Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten und ermordet wurden:

  • Politisch: auf Grund ihrer politischen Überzeugun
  • Religiös: auf Grund ihrer religiösen Überzeugung
  • Individuell: auf Grund individueller moralischer oder ethischer Überzeugungen

NS-Gegner

Es handelt sich um Personen, die von den Nationalsozialisten als politische Gegner vor 1938 unmittelbar nach der NS-Machtübernahme verfolgt wurden oder die während der NS-Zeit als politisch Verdächtige in Konzentrationslager kamen.

Jüdische Opfer

Es handelt sich um Personen, die von den Nationalsozialisten auf Basis der „Nürnberger Rassengesetze“ verfolgt wurden

Roma/Romnija und Sinti/Sintize

Es handelt sich um Personen, die als sogenannte „Zigeuner“ verfolgt wurden.

Opfer der NS-Euthanasie

Es handelt sich um Personen, die im Rahmen der NS-Euthanasie ermordet wurden.

Als homosexuell verfolgt

Es handelt sich um Personen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in Konzentrationslager kamen und dort ermordet wurden.

Als „asozial“ Verfolgte

Es handelt sich um Personen, die als sogenannte „Asoziale“ ermordet wurden.

FAIR Prinzipien (Forschungsdaten) und MEMOR

Die im Zuge des MEMOR-Projektes erfassten Forschungsdaten folgen einem einheitlichen Datenmodell, welches sich um Anknüpfung, Verbindung, aber auch Anlehnung an internationale Datenstandards wie den FAIR Guiding Principles for scientific data management and stewardship (FAIR-Prinzipien) bemüht:


Findable

Alle erfassten Personen sind im GAMS der Universität Graz jeweils als digitales Objekt mitsamt der zugehörigen Informationen und einem Identifikator(ID) angelegt. Diese Daten und Metadaten sind dadurch sowohl menschen- als auch maschinenlesbar.
Zusätzlich zu den unter Accessible und Interoperable geannten Zugängen werden die Daten auch auf ZENODO veröffentlicht. Dadurch soll die Auffindbarkeit garantiert werden.


Accessible

Die offizielle MEMOR-Website (sowie die Links zu den Daten und Metadaten) ist unter "ns-opfer-graz.at" erreichbar. Diese kann zudem auch als App installiert werden (Prototyp: MEMOR als App).
Die eigens entwickelte MEMOR Ontologie beschreibt die dem Projekt zugrunde liegenden Daten: Sie ist ein ereigniszentriertes semantisches Webmodell, das dazu dient, die Biografien und Verfolgungsgeschichten von Opfern des Nationalsozialismus zu dokumentieren. Die Daten sind als RDF (turtle) zum Download freigegeben, die Metadaten über das GAMS verfügbar.


Interoperable

Um die Interoperabilität zu gewährleisten, nutzt das MEMOR-Projekt standardisierte Datenformate:

  • XML
  • RDF
  • GeoJSON

Für jede in MEMOR erfasste Person werden Metadaten in RDF (turtle), Dublin Core (XML), sowie eine Metadatenansicht zum digitalen Objekt im GAMS bereitgestellt.

Die Daten der Karte der letzten Wohnorte sowie der Karte der Todesorte stehen gesammelt als GeoJSON zum Download zur Verfügung. Die dazugehörigen Metadaten sind ebenfalls über das GAMS abrufbar.


Reusable

Die Daten des MEMOR-Projekts sind unter der CC-BY-NC Lizenz verfügbar, und somit für nicht-kommerzielle Zwecke frei nutzbar.
Die technische Infrastruktur für die Langzeitarchivierung, also den Erhalt der Daten über einen möglichst langen Zeitaum, wird durch Zenodo gewährleistet. Alle digitalen Objekte im GAMS enthalten auch eine Beschreibung, um Ambiguitäten im Sinne der Nachnutzbarkeit zu vermeiden.